Lokal handeln – Flucht und Migration

Fenster ohne Wiederkehr – Sklaveninsel Gorée – Dakar, Senegal
Flucht und Migration

Ankommen – Geflüchtete im Landkreis Marburg-Biedenkopf | Projekte 2014 -2021

Im Jahr 2014 nahm die Zahl der Personen, die weltweit auf der Flucht sind, erheblich zu. Bis heute verlassen viele Menschen ihre Heimat, z. B. Syrien, Afghanistan, Irak, Länder des Maghreb und in Westafrika, Eritrea, Somalia oder die Demokratische Republik Kongo.
Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, oft vor Vergewaltigung, vor politischer, religiöser oder ethnischer Verfolgung und suchen Schutz in anderen Ländern.
Vielen wird, aufgrund des Klimawandels oder von Landkauf durch multinationale Konzerne („landgrabbing“), die Lebensgrundlage entzogen. Sie suchen nach Alternativen, in den meisten Fällen in ihrer Heimat oder in Nachbarländern.
Bis heute kommt nur ein sehr geringer Anteil der weltweiten Flüchtlinge nach Deutschland und bittet hier um Schutz und Asyl.

Zur Geschichte und Bedeutung von internationaler Migration und Ankommen in einem fremden Land, siehe unsere Studie: „Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?“ 2017

Im Sommer 2015 kamen viele Personen, insbesondere aus Syrien, nach Deutschland. Heute sieht man fassungslos zu, wie die aktuelle Situation von vielen Geflüchteten in Europa ist, z. B. in Lagern in Griechenland. Diese ist katastrophal, es fehlen jegliche Mindeststandards. Die grundlegenden Menschen- und Kinderrechte werden missachtet.
In Deutschland gab und gibt es eine große Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung.
Im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Sitz von Imbuto e. V.) gibt es bis viele Schutzsuchende und Strukturen, die die Menschen begleiten: z. B. die Verwaltung in den Kommunen, Hochschulen, Kirchliche Einrichtungen, Wirtschaftsverbände, Schulen, Vereine wie auch Privatpersonen und auf Kreisebene das Netzwerk: Ehrenamt, Flucht, Integration (EFI).

Seit 2014 organisiert Imbuto e.V. in Kooperation mit verschiedenen Partnern wie Kirchengemeinden, Kommunen, Parteien, Vereinen, Akademien oder dem Landkreis zahlreiche Aktivitäten für Bürger*innen, ehrenamtlich Aktive, Geflüchtete und Entscheidungsträger*innen.
Unter vielen anderen Mitstreiter*innen arbeitet das Imbuto-Team seit langem zusammen mit Malte Bering aus dem „Alten Amtsgericht“ und ehrenamtlicher Koordinator in Fronhausen.

Anfang 2015 begannen wir mit der Gesprächsreihe „Flüchtlinge in Fronhausen“. Die Ziele:

  • die Bevölkerung der Gemeinde 35112 Fronhausen über die Situation in der Region informieren
  • zu einem guten Zusammenleben in der Region beitragen
  • die konstruktive Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft (auch mit der Wirtschaft) fördern
  • sachliche Informationen geben und Transparenz herstellen, indem über Entscheidungsabläufe informiert wird
  • die Ressourcen und Potenziale zur Begleitung von Flüchtlingen in der Gemeinde ermitteln
  • und das ehrenamtliche Engagement fördern.

Mehrere Hundert Personen haben an den Veranstaltungen teilgenommen. So hat sich auch in Fronhausen eine Gruppe aus Ehrenamtlichen gebildet, die mit großem Engagement die neuangekommenen Personen und Familien mehrere Jahre begleitet.

Imbuto bietet bis heute Vorträge, Diskussionen und Beratung an zu Themen wie „Ursachen von Flucht und Wege der Migration“, „Integration =Teilhabe und gesellschaftliches Zusammenleben“.

Gesprächsreihe: Flüchtlinge in Fronhausen
Ab 09.01.2015 fanden mehrere Veranstaltungen in Fronhausen statt.

Hier sind einige dokumentiert:

Wie die im Sommer 2015 angekommenen Personen gefördert werden können, wurde in den Folgejahren in Kleingruppen oder öffentlichen Veranstaltungen und durch die Gruppe der Ehrenamtlichen konkretisiert.
Das hohe Engagement aller Beteiligten sei hier nachdrücklich hervorgehoben. Es fanden sich viele Menschen zusammen, die ein gemeinsames Ziel einte, unabhängig vom beruflichen und sozialen Hintergrund.

Weitere Veranstaltungen, z. B. am 02.02.2016 unter dem Oberthema „Flüchtlinge in Fronhausen“:
Neben den Landkreisen sind auch die Kommunen dazu verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen und geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Gemeinde möchte in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Möglichkeiten suchen, wie Flüchtlinge in Fronhausen untergebracht und integriert werden können.
Aus diesem Grund veranstaltet die Gemeinde Fronhausen in Kooperation mit Imbuto e.V. einen Abend zur aktuellen Situation von Geflüchteten in Fronhausen.

19.02.2016, 35112 Bellnhausen, Imbuto e.V. & Gemeinde 35112 Fronhausen

1. Warum und wie engagiere ich mich?
2. Für eine gute Kommunikation – die „Anderen“ und ich
3. Aktueller Bedarf, Angebote, Koordination, Information und Wünsche für weitere Veranstaltungen 

Vor Ort hat Imbuto e. V. weiterhin die Ehrenamtlichen begleitet, in der Region mit Geflüchteten aus Syrien, Irak, Äthiopien, Eritrea, DR Kongo und der Türkei über die Situation in der Heimat, ihre Fluchtgeschichte, Vorstellungen und Wünsche diskutiert. Wir unterstützen Newcomer bei vielen Fragen und hören zu, was sie alles mitgebracht haben: viel Wissen und Lebenserfahrung, viele berufliche Kompetenzen, eine andere Kultur und persönliche Geschichten von Migration, des Verlusts der Heimat und dem Sterben vieler Menschen.

An vielen Orten nehmen wir an Fortbildungen und Austausch teil, z.B. des Bündnisses für Demokratie und Toleranz und des Bundesprogramms Demokratie leben, z.B. in Berlin, Köln, Jena.
So lernen wir immer wieder Neues und geben unsere Werte, unser Wissen und unsere Erfahrungen an viele Menschen an vielen Orten weiter – und leben miteinander Vielfalt.

Auf der Suche nach einem besseren Leben | Demokratische Republik Kongo – Marokko – Rwanda

12. – 14. Mai 2017 Seminar – Marburg
Imbuto e.V. & Fachschaft Friedens- und Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg & Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg.

Dieses Seminar ist hier umfassend dokumentiert ->> Stimmen aus dem Süden.
In einem Sonderbericht ist das Thema des Seminars „Ubupfura – Versöhnung in Rwanda“ ausführlich hier dargestellt: ->> Nachdenken: Genozid.


L’interculturalité – une opportunité pour mieux vivre ensemble au Maroc

In Kooperation mit dem Verein ARCOM in Marokko hat Imbuto e.V. 2017 eine Studie zu Migration aus dem Maghreb und aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara durchgeführt.

Wir haben viele Gespräche mit marokkanischen Vereinen, mit Migrant*innen aus Ländern Subsahara-Afrikas sowie internationalen Organisationen in Marokko geführt.
Marokko ist Herkunftsland für Migration wie auch Transit- und Zielland.
Die Studie zeigt die Bedeutung von Migration für die Herkunftsländer in Subsahara-Afrika wie auch für Menschen in Marokko.

Diese Studie ist in französischer Sprache, eine Zusammenfassung in Deutsch finden Sie hier: Stimmen aus dem Süden

Imbuto e. V., „L’interculturalité – une opportunité pour mieux vivre ensemble au Maroc“ Maroc – Allemagne 2017, 26 p.

Von Cartographer of the United Nations – The Cartographic Section of the United Nations (CSUN), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2961523

Migration aus Afrika – Fluchtfolgen, Trauma, Therapie

Vitos-Akademie Gießen, Forum Interkulturelle Kompetenz
7. Juni 2017, 9:00–17:30 Uhr

Ehrenamtliche Begleitung von Flüchtlingen | Erfahrungen einer Dolmetscherin

Beiträge von Imbuto e.V.:
Hildegard Schürings interviewt Lula Helms.

Lula Helms, gebürtig aus Eritrea, ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Begleiterin von Geflüchteten aus Eritrea aktiv. Sie begleitet viele Personen zu Behörden und Ärzten und übersetzt auch bei Anhörungen von Deutsch in Tigrinya und umgekehrt.

In der Vitos Akademie berichtet sie von ihren Erfahrungen und zeigt auf, wie Missverständnisse entstehen. Bei vielen Institutionen in Deutschland ist wenig Wissen über die politische und kulturelle Situation in Eritrea vorhanden. Die Fluchtgründe und die Erlebnisse während der Flucht können nicht nachvollzogen werden.
Gesellschaftliche Strukturen in Eritrea sind vollkommen anders: das betrifft z.B. soziale Beziehungen und das Verhältnis zwischen Generationen, zwischen Männern und Frauen sowie zu Autoritäten. Ein Tabuthema ist z.B., Gefühle auszudrücken. Formen der Behandlung wie Psychotherapie sind nicht bekannt.

In Deutschland befinden sich viele Geflüchtete in einer sehr unsicheren Situation. Sie fühlen sich als Fremde und machen häufig Erfahrungen von alltäglichem Rassismus. Sie haben oft keine stabile Aufenthaltssituation – aber große Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Wichtig ist die Begleitung durch kompetente Personen, welche die Neuangekommenen verstehen und wertschätzen. Dabei ist es wichtig, Rolle, Funktionen und eventuelle Interessenkonflikte zu klären.

Nach vorne schauen – Geflüchtete Kinder und Jugendliche stark machen | Erfahrungen von Imbuto

Referentin: H. Schürings

Hildegard Schürings berichtet über Lernerfahrungen und Begleitung von jungen Geflüchteten durch Imbuto e.V. Viele haben im Krieg ihr Heimatland verlassen und hoffen in Europa auf eine gute Zukunft.

Die Teilnehmenden der Tagung, insbesondere medizinisches Personal wie auch Sozialpädagog*innen, stellten im Anschluss an die Beiträge von Imbuto e.V. viele Fragen.
Für die meisten waren die Inhalte, das Wissen zu Kulturen in afrikanischen Gesellschaften wie auch die angwandten Strategien bei der Begleitung von Jugendlichen etwas vollkommen Neues.

Hinschauen, zuhören, sich selbst in Frage stellen, wertschätzen, neudenken und gemeinsam handeln ->

„Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

vermutlich von Oscar Wilde

Gemeinsam unsere Welten gestalten – Angekommen aus Eritrea, Somalia…

Willkommen እንቛዕ ብደሓን መጻእኩም Soo dhawow

30. April 2016 35112 Bellnhausen
Imbuto e.V.

Aus afrikanischen Ländern sind insbesondere junge Menschen vom Horn von Afrika hier angekommen. Sie haben lange Fluchtwege hinter sich und hoffen nun, in Deutschland eine neue Heimat zu finden.
Meist werden sie durch ehrenamtlich Aktive begleitet. Jetzt geht es darum, gemeinsam für alle eine gute Zukunft zu schaffen.
Der Projekttag bietet ein interaktives Programm, mit dem wir Vielfalt, Gemeinsames und Unterschiede kennen lernen und Themen der Teilnehmenden diskutieren.
Austausch und feine Speisen schließen den Abend.

Programm

  1. Unsere Welten – Vielfalt erleben, unsere Sprachen und Kompetenzen, unsere Träume und Hoffnungen – interaktives Miteinander.
  2. Meine Fragen, Erfahrungen, Perspektiven – aus der Sicht der neuen Bürger*innen aus Eritrea und Somalia, von ehrenamtlich Aktiven und Mitarbeiter*innen der Verwaltung.
  3. Abendessen und Vernetzung: Feine Speisen aus Eritrea, Somalia und Deutschland. 

Mitwirkende:
Mohameddeq Ali Abdi, Betriebswirt, Marburg; Malte Bering, ehrenamtlicher Koordinator, Fronhausen; Aklilu Ghirmai, Flüchtlingsberater, Eritreische Katholische Gemeinde Frankfurt am Main; Lula Helms, Begleiterin von Geflüchteten aus Eritrea, Marburg; Susanne Steuber, Diplom-Volkswirtin, Dozentin, Frankenberg; Hildegard Schürings, Beraterin in der Entwicklungszusammenarbeit, Fronhausen, Dieter Unseld, Rechtsanwalt, Marburg.
Sprachen: Deutsch, Englisch, Tigrinya, Somali …

Eritrea, einst osmanische, ägyptische, ab 1890 italienische Kolonie und ab 1941 unter britischer Verwaltung, wurde 1961 von Äthiopien annektiert. Eritrea hat einen dreißigjährigen Befreiungskampf geführt, der 1993 zur Unabhängigkeit führte. Heute gilt Eritrea als ein offenes Gefängnis. Pro Monat fliehen etwa 5.000 Personen, 360.000 Flüchtlinge leben im Ausland. 8.800 kamen 2015 nach Deutschland, die zu 100% als asylberechtigt anerkannt werden.

Somalia wurde 1960 von Italien bzw. Großbritannien unabhängig. Seit 1991 gilt es als zerfallener Staat, in dem sich verschiedene Clans und Milizen bekämpfen. Die islamistische Miliz Al Shabaab übt Terror in der Region aus und ermordet zahlreiche Personen. Eine Million Frauen, Männer und Kinder sind auf der Flucht und etwa eine
Million sind im Land Vertriebene. Im größten Flüchtlingslager der Welt in Kenia leben 350.000 Somali. 2014 beantragten 5.528 Somalierinnen und Somalier Asyl in Deutschland.

Auszug aus der Dokumentation:   Im ersten Teil des Seminars gibt es ein interaktives Kennenlernen – keine Angst, es passiert nichts: Unsere Welten …  

Im ersten Teil gibt es ein interaktives Kennenlernen – keine Angst, es passiert nichts: Unsere Welten … Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Susanne und Hildegard moderieren den ersten Teil. Sie nennen Eigenschaften oder z. B. Dinge, die man gern hat.
Alle, die diese Eigenschaft haben oder dies mögen, stehen auf und gehen in die Mitte, schauen sich um, wer im Kreis ist, warten einen Augenblick, schauen, wer draußen ist und setzen sich wieder.

So wird es ein lebhaftes sich Kennenlernen, diejenigen, die in Deutschland, in Eritrea, in Somalia oder in einem anderen Land geboren sind, finden sich nacheinander in der Mitte des Raums. Es sind auch Menschen gekommen, die aus Marokko, Afghanistan, Rwanda stammen.

  • Neben Deutsch sprechen viele Sprachen wie Englisch, Tigrinya, Somali, Amharisch, Tamazight, Kinyarwanda, Französisch, Arabisch und andere, auch lokale Sprachen aus verschiedenen Ländern.
  • Ein Drittel der Teilnehmenden ist jünger als 30 Jahre, viele kochen sehr gerne, auch junge Männer, und andere essen gerne Nudeln.
  • Ganz viele mögen die Musik von Michael Jackson.
  • Und acht Personen finden, dass Messi besser Fußball spielt als Christiano Ronaldo. Genauso viele finden, dass es umgekehrt ist.
  • Etwa die Hälfte hat schon einmal Injera, das Nationalgericht in Äthiopien, Eritrea und Somalia, gegessen.
  • Alle haben am heutigen Abend die Chance, dieses leckere Essen Injera zu genießen. …

Nun die nächste Runde: Was hat mich überrascht, als ich nach Deutschland gekommen bin/ als ich geflüchteten Menschen begegnet bin?

  • 22 Uhr: hier war es noch hell, denn wo sie herkommt, ist es um 19 Uhr schon dunkel.
  • Erfahrung, wie kalt Kälte im Winter sein kann
  • In Deutschland schmeißt man leere Flaschen nicht weg
  • Richtiges Aprilwetter
  • Gelernt, dass man in manchen Kulturen Fisch oder Lammkopf oder 6 Eier zum Frühstück isst
  • Hellhäutiges Baby von eritreischen Eltern
  • War überrascht, wie chaotisch es in einer deutschen EAE (Erstaufnahmeeinrichtung) war
  • War überrascht, wie viele Menschen spontan helfen
  • Dass die Kanzlerin die Grenzen offen gelassen hat.

Welchen Wünsche, Träume und Hoffnungen habt Ihr heute?

  • In der Schule weiterkommen, möchte meinen Realschulabschluss machen und dann Ausbildung zum Elektriker
  • Ich möchte mein Fachabitur machen und dann Bauingenieur studieren
  • Ich möchte eine Maurerausbildung machen
  • Ich möchte Kapitän werden, denn Somalia hat eine Küste von 3.300 km
  • Studieren, um danach helfen zu können
  • Studium abschließen, um Jugendlichen helfen zu können (Es gibt Beratungsstellen an den Unis für Geflüchtete, z.B. auch duales Studium).
  • Ich hoffe, dass der Westen humaner wird und aufhört, andere Länder auszurauben und Waffen zu vertreiben
  • Über Musik Menschen zueinander bringen (15. Juni in Cappel: „Weltmusik zum Mitsingen“)
  • Deutsch lernen, dann anfangen zu arbeiten, Lehre machen
  • Traum, dass Eritrea wieder ein Land wird, in dem Menschen bleiben möchten statt zu fliehen
  • Auf andere zugehen, auch wenn der Gegenüber schüchtern ist.

Verlorene Heimat | ein Gesprächsabend

Begegnungen – Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an Herbert L. Roth
Arbeitskreis Landsynagoge Roth & Imbuto e.V.
35096 Weimar-Roth Hessen, Landkreis Marburg-Biedenkopf
28. April 2016
Referent*innen: Lula Helms aus Eritrea und Dr. Hussein Almohamad aus Syrien
Moderation: H. Schürings

Flucht, Vertreibung und Migration bestimmen seit mehr als einem Jahr die Diskussion in Deutschland und Europa. Die Ursachen, das Heimatland zu verlassen, sind vielfältig. Alle Menschen, die migrieren, haben triftige Gründe; häufig ist es ein Krieg, der die Menschen forttreibt, auf der Suche nach einem sicheren Ort.
Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind 2016 mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Darin sind die nicht eingerechnet, die im eigenen Land vertrieben oder nicht offiziell als Flüchtlinge anerkannt sind.

Darüber sprechen wir mit Frau Lula Helms (geboren in Eritrea) und Herrn Dr. Hussein Almohamad (geboren in Syrien).

Das Publikum in der Landsynagoge war von den Berichten sehr beeindruckt, sehr aufmerksam, fragte viel nach.
Die Synagoge, ein Symbol der Vertreibung aus der Heimat, der Flucht und des Todes, war ein angemessener Rahmen.

Zur Fluchtgeschichte der beiden Referent*innen …

Begegnungen – Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an Herbert L. Roth
„Verlorene Heimat“ Landsynagoge Roth, in Kooperation mit Imbuto e.V.

Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ – „Misch mit!“

Prof. Dr. Hussein Almohamad ist in Syrien geboren. Er hat 2001 ein Bachelorstudium der Geographie an der Universität Damaskus abgeschlossen, von 20042009 ein Masterstudium an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit einem Stipendium der Universität Aleppo absolviert und in Physischer Geographie promoviert. Er kehrte nach Syrien zurück und lehrte an der Universität Aleppo. Im Juni 2013 zerstörte eine Bombe seine Wohnung. Daraufhin verließen er, seine Gattin und seine drei Kinder Aleppo. Herr Almohamad unterrichtete eine Zeitlang in der Türkei. Mit Unterstützung der Universität Gießen konnten er und seine Familie am 6. August 2014 nach Deutschland kommen. Heute ist er Gastprofessor an der Universität Gießen. Neben verschiedenen Forschungsprojekten organisiert er ein Forschungsnetzwerk.

Lula Helms ist in Eritrea geboren. 1978, als sie fünf Jahre alt war,  verließen ihre Eltern mit sechs Kindern die Heimat. Sie lebten vier Jahre im Sudan. 1983 kam die Mutter mit den Kindern nach Frankfurt, wo sie als Flüchtlinge anerkannt wurden. Der Grund der Flucht war der 30jährige Krieg Äthiopiens (19611991) und die Politik der verbrannten Erde gegen das annektierte Eritrea, das für seine Unabhängigkeit kämpfte.
Lula Helms hat hier die Schule besucht, eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Laborassistentin abgeschlossen und arbeitet heute in Marburg.
Sie ist zudem ehrenamtlich sehr aktiv tätig in der Begleitung von Geflüchteten aus Eritrea und Dolmetscherin für Deutsch-Tigrinya, eine der nationalen Sprachen Eritreas.

Hildegard Schürings ist Geschäftsführerin von Imbuto e.V. Der Verein Imbuto wurde 2001 von Menschen gegründet, die als Kinder während des Krieges und Genozids 1994 in Rwanda ihre Heimat verlassen mussten, und von Personen, die in Rwanda als Entwicklungshelferinnen tätig waren. Der Verein engagiert sich international für Friedensförderung, informiert über Fluchtursachen und fördert die Vernetzung von geflüchteten Personen und Ehrenamtlichen.

Auf der Suche nach einer neuen Heimat | Flucht und Migration

30. Mai + 31. Mai 2015 35112 Bellnhausen
Imbuto e.V.

Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Warum machen sie sich auf den gefährlichen Weg durch die Sahara, über das Mittelmeer oder den Atlantik? Warum nehmen sie in Kauf, dass sie die Reise eventuell nicht überleben werden, und bezahlen noch viel Geld für die oft tödliche Reise? Was sind die Gründe, wie ging es ihnen in ihrer Heimat?
Wie ist die Situation auf dem afrikanischen Kontinent, der 20mal größer ist als Europa, mit 54 Staaten und 1,2 Milliarden Menschen?
Das war Thema der Projekttage mit Beispielen aus Nordafrika, Nigeria, Mali, Eritrea, Somalia, Senegal und der Demokratischen Republik Kongo.

Die eindrucksvollen und vielfach ausgezeichneten Filme „Die Piroge (Regie: Moussa Touré) und „Bon voyage“ (Regie: Fabio Friedli), 6 min., veranschaulichen die Motive, die Organisation der Reise und die Strapazen der Fluchtwege.

Gäste aller Altersstufen aus Frankfurt, Gladenbach und Marburg nahmen an dem Seminar teil, die Gespräche wurden bis in den frühen Morgen fortgesetzt.

Nach einem sehr intensiven langen Samstag gibt es am Sonntag ein vielfältiges Entwicklungspolitisches Frühstück – Was können wir tun?

Gesprächspartner*innen: Sang-Min Park, Mohameddeq Ali Abdi, Christoph Mushayija Rath, Adem Salhi, Susanne Steuber, Hildegard Schürings, Lydie Isabelle Twibanire-Benninghofen.
Alle haben langjährige berufliche oder Lebens-Erfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent.

Einkaufen konnten wir auf dem Markt von Imbuto: wunderschöne Stoffe, Taschen, Sandalen aus Kamelleder, Ketten mit Kaurimuscheln (der früheren Währung in Westafrika), Armreife, Schmuck, Zahnstocher, Körbe und Beutel aus Burkina Faso, Gabun, Guinea-Conakry, Mali, Rwanda, Senegal, Tunesien.

Weitere Aktivitäten zum Thema „Flucht und Migration“ und Seminare im Landkreis MR-Biedenkopf finden Sie hier: Zukunft gestalten – Stimmen aus dem Süden und Wege zum Frieden sowie Lokal handeln: Flucht und Migration.