![]()
Im Abstand von nur einem Monat unterbreiteten die Vereinten
Nationen Ende 1999 der Weltöffentlichkeit zwei Berichte, die sich mit
spektakulären Fällen des Versagens der Staatengemeinschaft und
ihres Organs - eben der UN - befassten. Zu den Ereignissen von Srebrenica
in Bosnien-Herzegowina im Juli 1995 legte der Generalsekretär selbst
einen Bericht vor; mit dem Geschehen in Rwanda - dem Völkermord, der
genau ein Jahr davor, im Juli 1994, zu Ende gegangen war - hatten sich unabhängige
Gutachter befasst, deren Bericht ebenfalls als UN-Dokument veröffentlicht
wurde. Beiden Tragödien ist gemein, dass sie Schrecken nicht nur unter
den unmittelbar Betroffenen, sondern Entsetzen in der gesamten internationalen
Gemeinschaft auslösten. Überlegungen setzten ein, wie man derartige
Verbrechen gegen die Menschlichkeit von vornherein unterbinden und zu diesem
Zweck die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen stärken könnte.
Leicht verändert erschienen in Vereinte Nationen, Nr. 2/ April 2000
Noch
keine Versöhnung
Vor zehn Jahren:
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Ruanda
1994 erlangte Ruanda traurige Berühmtheit: Von April bis Juni fanden
der Genozid gegen die Bevölkerungsgruppe der Tutsi und schwere Verbrechen
gegen die Menschlichkeit an den Bevölkerungsgruppen der Hutu und Twa
statt. Nach Schätzungen der ruandischen Regierung wurden etwa eine
Million Menschen ermordet, die meisten mit der Machete und mit Nägeln
bespickten Stöcken. Das Morden machte nicht vor engsten menschlichen
Bindungen halt: Jugendliche ermordeten ihre Lehrer und Freunde, Nachbarn
ihre Nachbarn, Männer ihre Ehefrau, Kinder ihre Mutter, Milizen und
Militär vernichteten ganze Familien. Und der Völkermord fand vor
laufenden Kameras der westlichen Fernsehsender statt, die Bilder erreichten
die gesamte Welt. Dennoch schwieg die Welt. Wie konnte es dazu kommen? Ruanda
galt als Musterland der Entwicklung und genoss auch von deutscher Seite
umfangreiche Unterstützung. Oft wird die Ursache einem genozidären
Projekt einer Bevölkerungsgruppe zugeschrieben oder der Volkswut über
die Ermordung ihres Präsidenten. Das ist zu einfach. Eine Vielzahl
von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geschichtlichen Faktoren
hat dazu beigetragen, dass die ruandische Gesellschaft das Schlimmste erlebt
hat, was man sich vorstellen kann.
Erschienen in: Zeitschrift Entwicklungspolitik 7/2004
"Frieden ist die Zeit, in der alle moralisch handeln"
so stellten Jugendliche aus Rwanda fest, die im August 2004 auf einem Seminar in der Ardèche über "Frieden und Versöhnung" diskutierten, zehn Jahre nach dem Genozid und den Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Rwanda. 1994 wurden etwa 800.000 Menschen meist von Jugendmilizen und Militär ermordet, mehrere Millionen flüchteten in Nachbarländer. Das gesamte gesellschaftliche, politische, ökonomische und soziale System war zerstört. Die Ideologen und Befehlgeber waren Politiker, Intellektuelle und Militärs, die Ausführenden meist Milizen, junge Menschen mit geringer Schulbildung, die ohne Arbeit, ohne Perspektiven, hoffnungslos waren, viele lebten seit vielen Jahren in Lagern für Vertriebene.
Der Artikel ist leicht verändert erschienen in "Entwicklungspolitik", 1-2/ 2005, S. 33-36. www.entwicklungspolitik.org
Rwanda
- 10 ans après - Quel avenir pour la jeunesse ?
Quand
on arrive dans ce beau pays, le Rwanda, on a de la peine à s'imaginer
ce qui s'est passé, il y a dix ans. La capitale Kigali vit à
son rythme accéléré, une ville avec une population
très jeune. De nombreuses villas des riches à côté
des habitations très pauvres, la verdure splendide des collines,
mais une pauvreté accrue à la campagne. On se pose de nombreuses
questions, comment on vit ensemble après de telles horreurs? Et surtout
comment vivent les jeunes, 10 ans après le génocide et les
crimes contre l'humanité ?
Paru dans : " Passerelles ", Belgien, No 44,
Juin 2004
www.asmae.org
"Für Frieden und Versöhnung - Jugendbegegnungen in Rwanda 2003"
In Europa leben viele Menschen im Exil, die 1994 während des Genozids aus Rwanda geflüchtet sind. Die Kinder von damals sind inzwischen Jugendliche und junge Erwachsene geworden. Sie stellen sich Fragen nach dem Warum des Kriegs und des Genozids, warum sie im Exil leben, welches ist meine Identität, wie sieht meine persönliche und berufliche Zukunft aus? Trotz vieler Anstrengungen bleiben sie immer Fremde und sind hier häufig mit Rassismus konfrontiert, vor dem sie in Rwanda geflohen sind. Die Erinnerungen an das Heimatland sind durch schöne Kindheitserinnerungen geprägt, aber auch durch die Bilder des Horrors und die Erfahrung der Flucht.
"Wie
kann ich über etwas sprechen, für das man keine Worte hat?"
Begegnungen von Jugendlichen in Rwanda und Jugendlichen, die im Exil
leben
Inhalte:
1. Einleitung: Jugend in Rwanda und internationale Beziehungen
2. Für Frieden und Versöhnung - Jugendbegegnungen in Rwanda 2003
2.1 Projektziele
2.2 Die Teilnehmenden
2.3. Vorbereitung der Reise
2.4 Die Reise nach Rwanda
2.5. Bewertung des Projekts von rwandischer Seite
2.6 Auswertung
2.7 Erreichung der Ziele
3. Lessons Learned - Beitrag zu Frieden und Versöhnung?
Literatur
Erweiterter Artikel eines Vortrags, den die Autorin auf der Tagung der Evangelischen Akademie Loccum: "Zehn Jahre danach: Völkermord in Rwanda" 5.-7. März 2004 gehalten hat, erscheint im Frühjahr 2005 in: Calliess, Jörg (Hg.): Zehn Jahre danach: Völkermord in Ruanda", Loccumer Protokolle 11/04.
Rezensionen
Gil
Courtmanche: Ein Sonntag am Pool in Kigali.
Verlag Kiepenheuer&Witsch 2004
Jean Hatzfeld: Zeit der Macheten - Wie Täter sich erinnern. Der Völkermord in Ruanda 1994, Psychosozial-Verlag - Haland&Wirth, Gießen 2004, 256 S. http://www.der-ueberblick.de/buecher